‚Du wirst deiner Mutter immer ähnlicher…‘ – diese gelegentliche Anmerkung meines Mannes reichte bislang aus, um mich auf die nächste Palme zu treiben. Uncharmant und keinesfalls der Wahrheit entsprechend fand ich das, wollte ich doch als kleines Mädchen und auch noch als Teenie alles – nur eines nicht: irgendwie meiner Mutter ähneln.
Als jüngere von zwei Töchtern war ich Papas Liebling und wollte lieber sein wie er – aber leider, alle äußerlichen Ähnlichkeiten mit unserem Vater hatte schon meine ältere Schwester auf sich vereint…

Mit zunehmenden Alter änderte sich die Einstellung, mit meiner Mutter verbindet mich mittlerweile eine tiefe Freundschaft, in der über alles geredet werden kann. Aber ihr zu ähneln verband ich bisher mit mütterlicher Rechthaberei und dem ungefragten Erteilen von Ratschlägen – naja, und mit einem etwas ungünstigen Body Mass-Index, der sich dummerweise auf den Hüften niederschlägt – nicht nur aus meiner Sicht nicht sehr erstrebenswert…

Nach dem weihnachtlichen Besuch meiner Eltern habe ich mich schließlich selbst ertappt und konnte mir ein inneres Schmunzeln nicht verkneifen…

Meine Eltern zu beschenken ist ganz einfach – irgendetwas zu Lesen. Für meinen Vater ein Sachbuch – meist zu Themen, die mich auch interessieren, dann entspannen sich Jahr für Jahr bereits an der Kuchentafel langatmige Diskussionen und es wird von ihm Seitenweise daraus vorgelesen… das ist zwar anstrengend aber der ‚Bringer‘ für’s weihnachtliche Grundgefühl! :mrgreen:
Für meine Mutter etwas fürs Herz – ohne viele Hintergedanken hatte ich dieses Mal zu einem Bestseller von Dora Heldt gegriffen: ‚Kein Wort zu Papa‘. Sie freute sich sehr, Volltreffer! Genau dieses hätte sie sich als nächstes gekauft, alle anderen aus der Reihe waren bereits verschlungen…
Mein Vater kam gar nicht erst zum Zuge, meine Mutter war so begeistert und in Fahrt und schilderte die Bücher in solchen Farben, dass ich die ausgelesenen Exemplare zur Lektüre mitbekam…
Übrigens das erste Mal in all den Jahren! Ich bevorzuge Sachbücher oder Krimis oder anspruchsvollen Nonsens wie Harry Potter oder Artemis Fowl – Herz-Schmerz-Literatur geht gar nicht… dachte ich.

Was soll ich sagen – ‚Unzertrennlich‘ oder ‚Tante Inge haut ab‘ von Dora Heldt waren genau meine Kragenweite. Den ganzen Weihnachtsurlaub hindurch habe ich ausgiebig geschmökert und mich bei der Lektüre köstlich unterhalten – und bin meiner Mutter wohl doch ähnlicher als ich dachte… 😉

Christina

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