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…unser Didgeridoo-Workshop neulich war den ‚Schaumburger Nachrichten‘ doch noch einen kleinen Artikel wert:

Bückeburg / Didgeridoo-Workshop für Gehörlose
Hohe Töne fühlen sich schöner an als tiefe
Einen recht speziellen Workshop haben der Didgeridoo-Fan George White und der gemeinnützige Verein Vita Integra Schaumburg ausgerichtet.

Auf den von George White (links) aus Ästen und Kunststoffrohren gebauten
Didgeridoos versuchen die Workshopteilnehmer, es den australischen Aborigine musikalisch gleichzumachen. Quelle: sn-Online © wk

Bückeburg (wk). Inhaltlich ging es dabei um eine Einführung in die Grundtechniken des Spielens auf einem Didgeridoo, dem traditionellen Musikinstrument der australischen Aborigines.
Dies allein wäre an sich schon ungewöhnlich genug, weil die tönenden „Blasrohre“ in deutschen Landen nicht gerade zu den angesagtesten Instrumenten zählen und das Musizieren darauf schon eine Kunst für sich ist.
Eine besondere Note bekam der Workshop allerdings dadurch, dass er sich in erster Linie an gehörlose und schwerhörige Menschen richtete.

Um ein Didgeridoo richtig spielen zu können, müsse man die „Zirkularatmung“ beherrschen, erklärte White.
In der Praxis funktionierte dies so, dass die Teilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes „dicke Backen“ machen und die Luft über die Muskelspannung der Wangen und vibrierende Lippen in das Rohr blasen mussten. Soweit der leichte Teil der Übung, denn die eigentliche Schwierigkeit bestand darin, beim Blasen gleichzeitig ganz normal weiter durch die Nase ein- und auszuatmen, um einen anhaltenden Ton auf dem Instrument zu erzeugen.
„Im Gehirn muss dazu quasi ein Schalter umgelegt werden“, führte der Hobby-Didgeridoo-Bastler, der nach eigenen Angaben bereits 300 bis 400 dieser Instrumente gefertigt hat, weiter aus. Bei manchen Menschen brauche es dafür nur ein wenig Übung, andere würden es dagegen nie kapieren. Den auf einem Didgeridoo erzeugten Ton könne man zudem rhythmisch modulieren, die Tonhöhe selbst sei jedoch von der individuellen Bauart des jeweiligen Instrumentes vorgegeben.

„Ich wollte das einfach mal ausprobieren“, erklärte die gehörlose Lauenhägerin Jutta Drescher per Gebärdensprache ihre Motivation zur Teilnahme an dem Workshop. Zu den Instrumenten selbst berichtete die 46-Jährige, dass sie die tiefen Töne der großen Didgeridoos anhand der Vibrationen über den Boden fühlen könne, die hohen Töne der kleineren Didgeridoos indes über ihren ganzen Körper, wobei sich die hohen Töne im Vergleich schöner anfühlen würden. Man benötige aber einige Zeit, sich auf diese Wahrnehmung einzustellen. Eine Vorstellung von Musik habe sie als von Geburt an Gehörlose jedoch nicht.

Beim Didgeridoo-Spielen seien die Schwierigkeiten für alle Teilnehmer gleich, ganz egal ob diese gehörlos, schwerhörig oder normal hörend seien, stellte das Vereinsmitglied Susanne Wittkämper den integrativen Charakter des Workshops heraus. Was das Teilnehmerfeld der Menschen mit Behinderung anbelangte, hatte außer Jutta Drescher allerdings nur noch deren schwerhöriger Ehemann Gerwin Drescher das Didgeridoo-Experiment „gewagt“, die anderen acht Teilnehmer – Wittkämper und White eingeschlossen – waren normal hörende Menschen.

Christina

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