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voller Erinnerungen…

So sehr Moritz in jungen Jahren ein Raufbold und Draufgänger war, so sehr hat er sich in den letzten Jahren verändert. Er wird nicht nur ruhiger und schläft viel – es scheint mir auch, als würde er alte Erinnerungen pflegen…

Als er mit 8 oder 9 Jahren langsam in’s gesetzte Alter kam, wurde er sehr schmerzhaft – und mehrere Jahre in Folge – durch einen im Spätwinter auf Brautschau vorbeiziehenden prachtvollen großen roten Kater entthront. Ich erinnere mich, dass Moritz sich zu der Zeit manches Mal kaum hinaus traute in sein Revier, immer mußte er mit dem Roten rechnen.

Einmal saß Boncuk, unsere kleingeratene Siam-Prinzessin, abends im Licht der Außenlampe auf der verschneiten Terrasse, um ein wenig frische Luft zu schnappen, als sich der große Rote drohend vor ihr aufbaute. Sie trat nicht etwa die Flucht an – nein, sie wurde zu einem wütenden spuckenden kleinen Bündel aus gesträubtem Fell – wirklich winzig im Vergleich zu dem roten Riesen – aber sie flößte ihm soviel Respekt ein, dass er abdrehte und lieber ging, als sich mit der keifenden kleinen Furie herumzuschlagen…

Boncuk verteidigt ihren Kratzbaum

Pfoten weg, du...

*Liebguck*

In dem Jahr, in dem der Rote nicht mehr kam, verloren wir Boncuk. Das stürzte Moritz – und mich – über lange Monate in tiefe Trauer und Depressionen. Ich versuchte ihm durch das Wiederaufnehmen gewohnter Rituale Kraft und Halt zu geben – aber jeder einzelne Gartenspaziergang war unglaublich schmerzhaft… denn Boncuk fehlte. Wenn wir zu unserer gewohnten Gartenrunde aufbrechen wollten, schaute Moritz nach einigen Schritten zurück zum Haus und setzte sich wartend ins Gras – Boncuk fehlte. Manchmal macht er das heute noch…

Überhaupt bin ich überzeugt, dass er sich über viele Jahre zurückerinnert. Als wir letztes Jahr im Frühling den streunenden Siamkater Tarik bei uns aufnahmen – eine Entscheidung, mit der Moritz ganz und gar nicht einverstanden war – gab es einen magischen Moment, als alle 3 Katzen friedlich im Wohnzimmer versammelt waren.
Nicki schlief entspannt auf ihrer Kratzetonne, Tarik hatte sich ganz tief in ein Körbchen gekuschelt und Moritz saß etwas entfernt davon auf der Fensterbank und betrachtete laut schnurrend das, was von Tarik noch zu sehen war: hellbraunes Fell und dunkle Öhrchen…

Tarik kuschelt...

Ich hockte mich zu Moritz und er schaute wirklich genau auf die Art, die er sonst nur mir vorbehält, mit halbverschleierten verliebten Augen. Warum sonst hätte er das tun sollen, wenn er in dem Moment nicht an Boncuk zurückgedacht und sich an ihren Anblick erinnert hätte?

Von der toten Boncuk habe ich Moritz und Nicki nicht Abschied nehmen lassen – ich war zu geschockt und mitten im heißen Hochsommer in größter Eile bemüht, sie vor den aufsässigen Fliegen sicher in der Erde zu bergen. Daher verbindet Moritz nichts mit ihrer letzten Ruhestelle – außer dass er mich dort öfter sitzen sieht…

Mein kleiner Katzenengel...

Bei Miri hingegen haben wir Nicki und Moritz die Chance zum Abschiednehmen gegeben, bevor wir sie beerdigten. Nicki reagierte fast panisch und suchte nach einem kurzen Schnuppern das Weite, Moritz war einen Moment geschockt und schien dann zu verstehen. Er kehrte mehrmals zu Miri zurück und blieb bei uns, bis wir das Grab verschlossen hatten, leistete mir später auch beim Bepflanzen Gesellschaft. Von Beginn an bis heute liegt er oft ganz nah bei ihr…

Früher: Moritz wacht über Miri...

...und heute: Ganz nah an Miris Grab

In letzter Zeit liegt er auch oft an Miris altem Lieblingsplatz – genau an der Stelle, wo im umzäunten Katzengarten ihr allerliebster Korb gestanden hat…

Miris Eck im Katzengarten

Obwohl er wirklich die freie Platzwahl hat, den Zaun haben wir nach Miris Tod abgebaut und eingelagert…

Wie denkt ihr darüber, wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr den Eindruck, dass eure Katzen sich an lange Vergangenes erinnern? Dass sie trauern?

Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren, ich habe hier – als Ergänzung zu euren Kommentaren – eine kleine Umfrage eingebaut:

Christina

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