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Bei Nicki bin ich bisher immer davon ausgegangen, dass sie lieber Einzel-Prinzessin wäre, als mit anderen zusammen zu leben. Sie ist zwar mit ihrer Schwester bei unserer ehemaligen Kneipe eingezogen, aber bereits, als die beiden etwa ein halbes Jahr alt waren, gingen sie größtenteils getrennter Wege. Beide hatten das (verschliessbare) Carport unserer Kneipe als Heim 1. Ordnung und gingen von da aus auf den umliegenden Wiesen und Feldern auf die Jagd, jede für sich. Schon sehr erwachsen für halbjährige Kätzchen… Das wird mir vor allem bewusst, wenn ich jetzt die kleine, knapp halbjährige Kiri vor Augen habe.

Durch unseren Garten streifende Katzen werden von Nicki aus vorsichtiger Entfernung beobachtet – Moritz entscheidet dagegen eher nach ‚Schwergewicht‘ des Gegners, ob er ihn besser ignoriert oder doch den Macker heraushängen läßt und ihn aus seinem Garten vertreibt. Wobei beide den Ataxie-Zickzack-Kater aus der entfernteren Nachbarschaft wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Sie suchen also nicht einfach nur Streit mit Schwächeren und hüten sich vor Stärkeren sondern entscheiden nach Sympathie, wen sie akzeptieren und wen sie ablehnen.

Im Laufe der kommenden und gehenden Stoppelhopser bin ich zu dem Schluß gelangt, dass Moritz sich keinesfalls mit Katern arrangieren mag – natürlich geht der Stress bei der Eingewöhnung eines weiteren Katers nicht nur von ihm aus, aber er ist so sehr darauf bedacht, dem anderen seinen Vorrang mit Knurren, Grollen, Drohen und Stalken unter die Nase zu reiben, dass sich einfach kein entspannter Umgang einstellt.
Nicki dagegen hat mit netten, nicht so dominanten Katern weniger Probleme. Hauptsache, sie lassen sie weitgehend in Ruhe – nette Nasenküsschen zur Begrüssung sind durchaus genehm…

Ich könnte mir denken, dass zu Moritz‘ Sympathien für Boncuk auch ihre geringe Größe beigetragen hat – sie hatte vermutlich den ‚Kitten-Bonus‘. Boncuk wog bei ihrem Einzug hier mit ihren 2 1/2 Jahren nur 2,7 kg und war kaum größer als Kiri… Allerdings war sie nicht annähernd so anstrengend wie Kiri, schließlich war sie schon längst erwachsen und hatte selber gerade 2 Kitten großgezogen.
Nicki und Boncuk waren zwar gleichaltrig, haben sich aber nur akzeptiert, nicht wirklich gemocht. Nicki hatte sich mit dem Einzug einer weiteren Katzendame arrangiert, indem sie ihren Wirkungskreis weitgehend in unseren und die umliegenden Gärten verlegte – sie kam eigentlich nur zum Schlafen und Fressen Nachhause. Und wenn Moritz Nicki so zusammenstauchte, dass sie unter unseren Wohnzimmertisch passte, kam Boncuk angeschossen, um ihr auch noch einen drüber zu geben. Wo sie doch sowieso gerade am Boden lag…

Unsere alte Katzendame Miri war ein Kapitel für sich – ihr war völlig egal, ob Moritz oder Nicki sie mochten, ihr ganzes Interesse galt ausreichendem Fressen, ungestörtem Schlafen und dem Besuch des Katzenklos. Da sie taub war, nahm sie das Gemecker der anderen gar nicht wahr und erlangte durch ihr cooles Nicht-reagieren den ihr gebührenden Respekt. Zwei Mal versuchte Moritz sie sich vorzuknöpfen, trotz ihres Alters und ihrer Gebrechen – und sie faltete ihn dermaßen zusammen, dass er kleinlaut die Flucht ergriff. Als sie noch fit und jünger war, war sie ganz bestimmt eine imponierende Erscheinung! Nicki und Miri ignorierten sich wohlwollend, zwischen ihnen gab es keinerlei Probleme, jede ging ihrer Wege.

Die kleine Kiri krempelt hier gerade alles um – durch ihre forsche und fröhliche Unbekümmertheit bügelt sie Ablehnung und Vorbehalte der anderen beiden einfach platt. Nie hätte ich erwartet, dass die beiden doch recht alten Großen ein quirliges Katzenkitten so problemlos aufnehmen würden! Aber es klappt! Sie ist inzwischen voll akzeptiert, von beiden – Nicki geht nach ihrem anfänglichen Rückzug wieder in der Wohnung ein und aus wie immer. Sie nimmt die Kleine offenbar als Bereicherung und spielt sogar mit ihr. Moritz wäre froh, wenn es mal wieder etwas weniger wild zugehen würde bei uns, ich tröste ihn dann immer damit, dass auch Kira irgendwann erwachsen und damit ruhiger wird. Er muss aber auch herhalten, Kiri kann es gar nicht wild genug zugehen beim Raufen – und sie wird allmählich größer und stärker…

Mein Fazit: Katzen sind durchaus sozialen Kontakten zugeneigt und sogar bereit, ihr Revier mit anderen zu teilen. Aber die Charaktere müssen irgendwie zusammenpassen, sonst gibt es Stress, wie zwischen Nicki und Moritz. Wenn sie sich symphatisch sind, steht einem Zusammenleben von mehreren nichts im Weg.

Christina

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