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Meine Schritte hallen über die Straße, langsam haben meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt.
Vor mir schält sich Schritt für Schritt das einsame Haus aus dem Dunkel. Inmitten der Felder liegt es ganz allein an der Straße, eingefasst von einer hohen Hecke und überwölbt von den raumgreifenden Ästen der alten Kastanie, deren gewaltige Krone ich bei jedem Blick aus unserem Küchenfenster aus der Ferne bewundere.

Ein paar Tage zuvor hatte ich auf meinem Morgen-Walk ein Stück hinter der alten Kastanie am Rand der Pferdeweide ein paar Worte mit einem Jungkater gewechselt. Aufrecht wie ein Erdmännchen saß er im hohen Gras direkt an der Straße und belauerte das leise Zirpen der Mäuse. Wir tauschten Nettigkeiten aus, wünschten uns einen guten Tag und gingen jeder unserer Wege. Das Mäusezirpen hat mich seither jeden Morgen an dieser Stelle begrüßt, es erklang wie direkt in meinem Kopf und schien mich zu umschwirren, bis ich Haus und Kastanie weit hinter mir gelassen hatte.

Auch jetzt zirpt es, als ich mich der Kastanie nähere – mal rechts vor mir, mal weit hinter mir, mal von unten und dann wieder von oben – irgendwie gespenstisch. Das Zirpen scheint mich zu umschwirren und ich bleibe verwirrt stehen, suche die Straße ab und schaue in den dämmerigen Morgenhimmel auf der Suche nach den Maus-Gespenstern. Da schwirrt ein flirrender Schatten im weiten Bogen an mir vorbei, zu schnell für eine frühe Amsel und Schwalben sind zu dieser Zeit noch lange nicht unterwegs.

Ich stehe und schaue und staune – Fledermäuse ziehen zirpend ihre rasanten Kreise um mich, erjagen ihr rasches Morgenmahl in der beginnenden Dämmerung. Bei Sonnenaufgang werden sie schlafen gehen – vielleicht ja sogar in der alten Kastanie.

Später im Büro habe ich noch ein paar Mal ein Lächeln im Gesicht – beim Gedanken an meine fliegenden Maus-Gespenster…

Christina

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