Boncuk

Boncuk *02. April 2004 +15. August 2008


Boncuk

Boncuk wurde am 2. April 2004 in der Türkei geboren und von ihrer ersten (türkischen) Familie mit nach Deutschland gebracht. Sie soll einer speziellen kleinwüchsigen Siam-Zucht entstammen, war nur so groß wie ein halbjähriges Kätzchen, hatte ein vorstehendes Brustbein, einen Knick im kurzen Schwanz und konnte hinreissend schielen, wenn sie etwas anvisierte – sie wurde die Katzenliebe meines Lebens.

Sie wurde mit einem Türkisch-Van-Kater verpaart, warf 2 Junge und wurde von ihrer Familie einfach weggegeben, als ihre Kätzchen 6 Monate alt waren. Boncuk wurde gerade 2 Jahre, als sie Ostern 2006 zu uns kam. Meine türkische Freundin und Kollegin hat sie uns vermittelt, sie wurde mir vom Vorbesitzer direkt auf die Arbeit gebracht: Plötzlich stand er vor mir, knöpfte seinen Wintermantel auf – und da saß sie an seine Brust gekuschelt und guckte mit großen blauen Augen in die Welt.

Wir dachten, dass sich mit einer weiteren Katze in unserem Haus der Druck, den Moritz auf Nicki ausübt künftig auf zwei verteilen würde – aber mit dem, was nach Boncuks Einzug geschah, hatten wir niemals gerechnet. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten schloss Moritz Boncuk ganz fest in sein kleines Katerherz, er war fast immer in ihrer Nähe oder wußte wenigstens, wo sie gerade war – wenn wir ihn nach ihr fragten, zeigte er uns, wo wir sie finden konnten…

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Geschichten aus Boncuks Leben:

Wie Boncuk uns Respekt beibrachte…

Einige Wochen, nachdem Boncuk zu uns kam, war Moritz ihr gegenüber bereits von der ‚Ignorieren!‘-Phase zur ‚Beobachten und schauen, was sie tut..‘-Phase übergegangen. Das nächste wäre dann eigentlich die ‚Mal piesacken – und dann schauen,was passiert…‘-Phase.
Das hatten wir alles schon mit der kleinen Nicki durchexerziert – bei ihr war er dann in der ‚Trietzen, was das Zeug hält – vielleicht geht sie ja wieder weg…‘-Phase stecken geblieben…

An diesem Morgen hatte Boncuk mich zum Wäsche machen in den Waschkeller begleitet, anhänglich und an allem interessiert hätte ich ihr in Kürze bereits einige Hausarbeiten übertragen können. Mit der vollen Wäschewanne im Arm und der wieselflinken Boncuk im Schlepptau ging es die Kellertreppe hinauf – als ich oben die Tür zur Küche öffnete, wartete Moritz bereits ganz geduldig dahinter – könnt‘ ja sein, es gibt was Leckeres…

In dem Moment flitzte Boncuk zwischen meinen Füßen hindurch und sichtbehindert durch die Wäschewanne gab ich ihr einen Tritt, dass sie quer durch die Küche schlidderte…

Völlig geschockt sah sie sich um – das k o n n t e nur der große Moritz gewesen sein, wer sollte ihr wohl sonst etwas tun? Wie eine kleine Furie stürzte sie sich auf den großen verdutzten Kater, verprügelte und verfolgte ihn unter Geschrei und Gezeter von Zimmer zu Zimmer – ich hatte kaum eine Chance, sie von ihm zu trennen.

Mein Gott, dachte ich – jetzt auch noch sowas. Die beiden werden sich fortan hassen, keine Aussichten mehr auf ein friedliches Zusammenleben… Ich schaffte es mit Mühe, sie von ihm wegzuziehen und ins Badezimmer zu tragen.

Dort stand ihr Katzenklo, dort wollte ich sie einsperren, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Zitternd vor Aufregung setzte ich sie in die Badewanne und schaffte es gerade noch vor ihr hinaus, um die Tür zu schliessen.

Dann machte ich mich auf die Suche nach dem armen mißhandelten Moritz – er war mittlerweile zur offenen Terrassentür hinausgeflüchtet und saß einige Meter weiter unter den großen Bäumen, um zu verschnaufen… Ich hockte mich zu ihm und wir begannen uns gegenseitig unser Leid zu klagen – solch eine Aufregung, solch eine Furie, was sollte nun bloß werden…

Wie wir da so hockten und uns gegenseitig trösteten, kam Boncuk zu Terrassentür herausspaziert und marschierte hocherhobenen Hauptes den Gartenweg hinunter an uns vorbei, nach Kräften bemüht, uns zu ignorieren…

In der ganzen Aufregung hatte ich vergessen, die Badezimmertür auch abzuschliessen – Boncuk konnte jede Tür öffnen…

Sie hatte sich schnell wieder beruhigt, aber Moritz behandelte sie fortan mit größtem Respekt – und die beiden wurden wirklich gute Freunde und Spielkameraden.

Mit einem Bildklick startet die Galerie…

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Sie ist fort.

Mit ihrem letzten Sprung wechselte sie die Welten,
ließ ihren kleinen verkrümmten Körper zurück
in den Blumenrabatten am Straßenrand.
Das Auto rauscht weiter,
ein letzter Seufzer
und sie ist fort.

Gerade noch
stürmte sie wie ein kleiner Wirbelwind
durch unser Leben,
eroberte unsere Herzen,
war in unserer Mitte und immer für uns da.

Gerade noch
war sie ein kleiner Kobold,
alle hier zum spielen bringend,
ein kleiner Kämpfer, Heim und Burg verteidigend,
unser Sonnenschein, liebevoll und fürsorglich,
geduldig wartend, alles um sich her betrachtend.

Gerade noch
war sie ein Wildpferd,
im Galopp über die Möbel preschend,
beim Gartenspaziergang gemessen langsam schreitend,
hoppelnd wie ein Häschen,
und raketenschnell uneinholbar auf und davon.

Gerade noch
wälzte sie sich
genüsslich draussen im Staub,
ihr Bäuchlein in die Sonne reckend, Wellness pur,
gerade noch
schleckte ihre kleine rosa Raspelzunge
die weißen Zehen blank,
das es nur so blitzte,
gerade noch
strahlten ihre blauen Augen
in dem dunklen Gesichtchen,
gerade noch.

Sie ist fort,
mit ihrem letzten Sprung wechselte sie die Welten,
mit ihr ging ein Stück aus meiner Seele.

Boncuk *02.04.2004 +15.08.2008

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1 Gedanke zu “Boncuk”

  1. Bewegende Worte des Abschieds hast Du gefunden …
    Christiane

Eine Antwort maunzen

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